Im Laufe meiner Tätigkeit als Innenarchitektin habe ich schon oft den Fall gehabt, dass ein Bauherr mit der Leistung des Handwerkers nicht zufrieden war.

Da er den Innenarchitekten als seinen Vertreter sieht, erwartet er, dass er seine Positionen vor dem Handwerker vertritt.

Zunächst ist dieses Ansinnen auch berechtigt. Allerdings bin ich der Meinung, dass der Innenarchitekt auch eine Vermittlerfunktion hat. Das heißt, auch gegenüber dem Handwerker ist er zu Gerechtigkeit verpflichtet. Es ist nicht damit getan, einfach eine Schuldzuweisung zu erheben, wenn diese nicht gerechtfertigt ist. Ich habe z.B. schon erlebt, dass Handwerker des Diebstahls bezichtigt wurden, ohne dass der geringste Beweis dafür vorlag. Wesentlich häufiger ist allerdings, dass besonders hohe Ansprüche nicht perfekt erfüllt werden.

Manch ein Bauherr lässt auch seine, vielleicht angespannte persönliche Situation, am Handwerker aus. Solch ein Verhalten ist grundsätzlich, nicht nur Handwerkern gegenüber, nicht sehr glücklich.

Als Innenarchitektin arbeite ich regelmäßig mit Handwerksfirmen zusammen. Wenn ich mal eine gute Firma gefunden habe, halte ich auch gerne an dieser fest. Wir leben in einer Zeit, wo Handwerker nicht gerade an Arbeitsmangel leiden und es daher nicht so einfach ist, überhaupt jemanden zu finden. Ganz zu schweigen von einer guten Firma. Daher kann ich es mir auch nicht leisten, eine gute Firma mit ungerechtfertigten Anschuldigungen zu verprellen. Das heißt aber nicht, dass ich grundsätzlich auf deren Seite stehe.

Das heißt, dass ich mich um Ausgewogenheit bemühe. Jeder Mensch macht Fehler. Daher sollte man jemanden zunächst die Möglichkeit geben, Stellung zu beziehen und zu klären, ob tatsächlich ein Fehler passiert ist. Wenn ja, sollte derjenige diesen auch beheben dürfen. Das ist übrigens auch sein verbrieftes Recht.

Ein guter und gerechter Umgang miteinander ist für alle Beteiligten von Vorteil!

 

Fotos:  Wokandapix auf Pixabay,  Kevin Phillips auf Pixabay